Diejenigen unter uns, die zusätzlich ihr Gehirnvolumen ausreichend vergrößerten, konnten sich besser zurechtfinden, erfolgreicher jagen. Wir nutzten das Feuer, um mit Gekochtem mehr Energie zu essen. Die Fähigkeit, uns durch Sprache zu synchronisieren, schuf eine wichtige Voraussetzung zu koordiniertem und zu planendem Handeln. Beim Sex wurden wir variabler als alle Tierverwandten; wir konnten's endlich das ganze Jahr über. Auch wenn's nur darum ging, dem rauer werdenden Klima ein Schnippchen zu schlagen. Denn all dies vergrößerte unsere Überlebenschancen. Und wir fingen an, uns selbst zu steuern...
In unserer Zeit als Jäger und Sammlerinnen war Jagderfolg lebensnotwendig. Folglich versuchten wir unser Jagdglück zu beeinflussen. Findige Gruppenmitglieder ersannen Geschichten von magischen Kräften und davon, dass sie mit ihrer geistigen Kraft und ihren Zaubersprüchen dem Jagdglück nachhelfen könnten. Vielleicht wurden so aus erfolglosen Jägern Zauberer, um auf diese Weise trotzdem an den saftigen Fleischstücken der andern teil zu haben. Teil des Zaubers waren die raunend erzählten Geschichten, das gemeinsam Gesungene, der ekstatische Tanz, sicher auch geheimnisvolle Höhlenzeichnungen. Orte, an denen in mystischen, rituellen Versammlungen Bilder der Jagdbeute an die Felswände gebannt wurden, um Herrschaft über diese Tiere zu erhalten. Manche aufgefundene Bilder zeigen Menschen, die in Tierhäute gehüllt sind oder Tierkappen tragen, wahrscheinlich die Schamanen. Sie vermittelten so ihrer Gruppe, dass sie zu Tieren und Naturkräften eine Verbindung herstellen, gleichsam einer der ihren werden könnten. In gemeinsamer Jagdvorbereitung wurde Mut gesammelt, Erfahrung ausgetauscht und auf die oft lebensgefährliche Jagd eingestimmt...
Schöpfungsmythen gewinnen ihre besondere Bedeutung für die Australier, weil die Erklärung der Weltexistenz alle Regelnfür ein optimales Leben auf der Erde und danach begründet. Der Schöpfergeist Baiame ist der Gedanke, durch den Leben erst entstehen konnte. Er ist das Universum und durchdringt Materie und Raum. Alles was ist, sind Wirklichkeit gewordene Gedankenbilder des großen Schöpfergeists. Resultat eines Traums oder Gedankens, der den Plan allen Lebens formte. Dazu wurde der Wille des Schöpfergeists so stark, dass sich die Elemente dieser ersten Gedankensubstanz in Bewegung setzten und den Prozess der Materialisierung des Alls anstießen. Der Mensch begab sich zuerst als Yowie genanntes Geistwesen auf die Erde und entwickelte sich daraus schrittweise durch immer neue Erfahrungen aus vorhergegangenen Formen, aus Pflanzen und Tieren. Die Weltanschauung der Australier mit dem überall greifbaren Schöpferwillen gilt als Pantheismus. Alles Wissen, die Bräuche und die Regeln sollen vom Schöpfergeist selbst stammen. Vor langer Zeit soll Baiame, um Hilfe angefleht, sich auf der Erde verkörpert haben und seine Geheimnisse des Lebens geoffenbart haben. Diese göttlichen Gesetze prägten unmittelbar das tägliche Leben, eingebunden in Kulthandlungen, Ritualen, Initiationen und Todeszeremonien...